01 A00 Kirche - 140

Abschiedspredigt von Pfarrer Pausch 2021

Vor einer Woche ging die Europa-Meisterschaft mit manch spannenden Spielen zu Ende. Menschen freuen sich, Länder begegnen sich, auch wenn Deutschland ausgeschieden ist.
Beim Sport sollte es immer auch um Begegnung gehen, um Freude am Spiel und am Leben.
Ich denke, Fußball könnt auch ein Bild sein für unsere Kirche, für unsere Gemeinschaft.

Der Trainer kennt seine Spieler. Er hat für jeden einen bestimmten Platz je nach seinen Fähigkeiten. Der eine wird Stürmer, der andere Verteidiger oder Tormann. Es braucht Spielerbetreuer und auch Sanitäter am Spielfeldrand, die helfen, wenn jemand verletzt ist. Es ist wichtig, dass jeder seinen Platz findet und ihn ausfüllt.
In einer Pfarrgemeinde ist es nicht anders. Jede und jeder wird gebraucht mit den je eigenen Talenten, Fähigkeiten. Gott kennt unsere Stärken. Er hat mit jedem Menschen etwas Großes vor. Immer mehr sollten wir uns dem Bild nähern, das Gott von uns hat.
Wer mitspielen will, braucht Begeisterung.
Im Wort „Begeisterung“ steckt das Wort „Geist“. Ein Spiel, das nur darauf ausgerichtet ist, die Spielzeit zu Ende zu bringen, wo nichts mehr gewagt wird und kein Einsatz gezeigt wird, ist fade und langweilig.
Es braucht auch in der Kirche Menschen, die sich etwas trauen, die, wenn es dran ist, nach vorne stürmen. Die auch sagen, es kann nicht alles so bleiben, wie es früher einmal war: andere Technik im Spiel, neue Formen kirchlichen Lebens. Freilich, wer nach vorne stürmt, riskiert auch, mal im Abseits zu stehen oder einen Fehlschuss riskieren. Wer sich einsetzt, darf auch mal Fehler machen oder wird auch einmal ein Tor verschießen. Nur auf die Bremse zu treten, damit kommt man nicht vorwärts.
Es braucht im Fußball wie in der Kirche gute Verteidiger. Also Menschen, die nicht schlafen, sondern hellwach sind für die Zeichen der Zeit. Die spüren: jetzt ist mein Einsatz gefordert und sich trauen, den Mund aufzumachen. Nicht wegschauen, sondern genau und gewissenhaft hinschauen und Fragen stellen: wozu ist die Kirche da? Was ist unser Auftrag? Sonst gibt es Gegentore und auch Eigentore. Auch das haben diese EM und auch die vergangenen Jahre im kirchlichen Leben deutlich beweisen.
Im Fußball braucht es vernünftige Flügelspieler, die das ganze Feld abdecken. Es darf unterschiedliche Meinungen und Blickrichtungen geben. Im Fußball müssen die Flügelstürmer wissen, dass sie für ein und dieselbe Sache spielen. Sie müssen zur Mitte hin spielen. Das Tor steht in der Mitte, nicht rechts außen oder links außen. Auch in der Pfarrei darf und soll es eine bunte Vielfalt geben mit den ganz unterschiedlichen Blickrichtungen. Jung und alt, fest im Glauben stehende und Suchende oder auch Skeptische und Kritische. Dass alle zu Christus, der Mitte hinfinden, das Menschen in Christus Sinn für ihr Leben finden – das ist unser aller Auftrag. Nicht nur ich nehme schmerzlich wahr, dass manche verärgert und enttäuscht das Spielfeld verlassen.
Wenn das Spiel gelingen soll, müssen alle zusammenspielen. Im Spiel braucht einer den anderen. Stürmer und Verteidiger, Tormann und Schiedsrichter – alle sind aufeinander angewiesen. Keiner spielt das Spiel allein. Ziel ist es, den Ball ins Netz zu bringen. Das zählt. Das bringt weiter.
Bei uns hat jeder und jede ein Berufung von Jesus: Sei Menschenfischer. Führe sie ins sichere Netz. Wir müssen im übertragenen Sinne Tore schießen: Jesus den Weg zu den Herzen der Menschen zu bereiten. Selber unser Herz für Jesus öffnen.
Siegersein im Sinne Jesu heißt: Immer wieder neu anfangen. Neu das Ziel, Christus Mittelpunkt des Lebens werden zu lassen, in den Blick nehmen. Nach dem Spiel ist vor dem Spiel.
Wer etwas erreichen will, kann es sich nicht leisten, sich ständig gehen zu lassen. Charakter zeigen, Ausdauer beweisen, Arbeit und Mühen nicht scheuen um das größere Ziel zu erreichen.
Alle müssen auf den Trainer hören.
Dass sie mich nicht missverstehen: Trainer ist nicht Pfarrer, Bischof, Papst, - Die sind alle nur Mitspieler, Spielführer. Unser Trainer ist Jesus Christus. Auf ihn gilt es zu hören. Er ist nicht einer, der nach dem Spiel abgeschossen wird. Vielmehr gibt er uns sein Treueversprechen: Ich bin bei euch alle Tage. Ich bin da für euch und mit euch!
Unser Glaube ist kein Leistungssport, hat zu tun mit Vertrauen - und mit Hoffnung. Immer wieder sich auf Gott auszurichten – Gebet, Mitfeier des GD, Lesen der biblischen Texte und praktizierte Nächstenliebe.
Wenn am Spielende der Schiedsrichter das Spiel abpfeift, dann zählen nicht allein die Tore. Vielmehr: Hast du fair gespielt? Was war dir dein Glaube wert?
Für mich ist heute so etwas wie Schlusspfiff.
Ich möchte sagen, es geht in die Verlängerung. Mit etwas anderen Spielregeln. Ich darf die Rolle des Spielführers abgeben, Verantwortung für die Pfarreiorganisation loslassen. Ich denke, man könnte es vergleichen mit der Reservebank. Sie steht bereit in St. Konrad, bin gerne zu einer weiteren Mitarbeit in der Seelsorge bereit. - Ja anders könnte ich es mir nicht vorstellen.
In der Rückschau darf ich sagen: Es war schön, dass ich hier vor 14 Jahren in das Spiel einsteigen durfte. Das Miteinander, das Füreinander in dieser Pfarrei St. Johannes sowie in Herz Jesu war ein großes Geschenk für mich. Dankbar bin ich, dass ich hier viele überzeugte Christinnen und Christen kennenlernen durfte. Ihr Einsatz für die Pfarrei, das Miteinander – all das bleibt mir unvergesslich. Ich kann und will hier keine Namen nennen, so viele sind es. Ich sage allen, wirklich allen ein ganz herzliches Vergelt’s Gott für euer Mitarbeiten, Mitbeten, Mitglauben.
Jesus hat keinen Fanclub gegründet. Er hat Menschen wie mich und dich in seine Nachfolge gerufen. Er sagt: Folge mir nach. - Vielleicht würde das in der Fußballsprache heißen: Leute, bleibt am Ball!
 

Startseite
 

[Startseite] [Pfarrei] [Chronik] [Tagebuch] [Kirchenführung] [Sakramente] [Pfarrbrief] [Pfarrteam] [Gremien] [Verbände] [Einrichtungen] [Bildergalerien] [Kontakt] [Links] [Impressum]