01 A00 Kirche - 140
Predigt von Pfarrer Pausch zum Patrozinium

 
  Fiktives Interview mit Pfarrer Dr. Karl Käs und Pfarrer Anton Breu

  Heute feiern wir den Patron unserer Pfarrkirche: den Hl. Johannes, Evangelist und
  Apostel. 

  Ich stellte mir schon öfters die Frage: Warum wurde ausgerechnet Johannes der  
  Pfarrpatron?

  Da sollten wir die "Gründungsväter" der Pfarrei St. Johannes befragen:

  Dr. Karl Käß; damaliger Pfarrer der Pfarrei Herz Jesu. Er ist in der Taufkapelle der 
  Pfarrkirche St. Johannes begraben. Und wir sollten den damaligen Kaplan und späteren
  Pfarrer Anton Breu befragen. Er leitete die Pfarrei St. Johannes von 1953 bis zu seinem  
  Tod am 25.12. 1978.

  Ich habe beide leider nicht persönlich kennengelernt. Also möchte ich es mit einem
  fiktiven Interview versuchen:

  Frage an Dr. Käß:
 
Warum trennte man die Gebiete Konradshöhe, Fichtenbühl und Moosbürg vom
  Pfarrgebiet Herz Jesu ab und gründete eine neue Pfarrei?

  03 1 Stadtpfarrer Dr Karl KäsDr. Käß:
 
Es gab bereits eine "Quasi-Pfarrei" in diesem Gebiet: Am Fichtenbühl
  entstand eine Gottesdienstbaracke, inmitten des ehemaligen Lagers
  des Arbeitsdienstes. 700 Menschen wohnten dort in Notunter-
  künften.

  Ich konnte dieses kleine "Pfarrzentrum" am 26.12.1949 einweihen.
  Darin waren enthalten: ein Gottesdienstraum, ein Kindergarten und
  eine Wohnung für die drei Kreuzschwestern. Nach dem Kriegsende
  war da ein hoffnungsvoller Anfang gelegt.

  Frage an Pfr. Anton Breu:
 
Wie waren denn die Anfänge auf dem Fichtenbühl?

  Pfr. Breu: 03 2 Pfarrer Anton Breu
 
Ich war Kaplan in Herz Jesu. Es war meine Aufgabe, in dieser
  neugeweihten Notkirche die Gottesdienste zu feiern. Ich konnte
  mit großer Freude erleben, wie sich hier langsam eine Gemeinde
  bildete: Aus den Lagerbewohnern und den Bewohnern von
  Fichtenbühl, Konradshöhe und Moosbürg.

  Nach ein paar Jahren zogen zwar die Bewohner aus dem Lager aus.
  Aber unsere Stadtteile wuchsen und wuchsen. Viele Menschen,
  darunter auch viele Heimatvertriebene, fanden Arbeit in der
  DETAG (Glasfabrik) und in der Porzellanfabrik Bauscher. So kam der Gedanke auf: Wir
  bräuchten eine eigene Kirche mit einer eigenen Pfarrei.

  Pfr. Käß:
 
Da gab es einen glücklichen Umstand: An der Regensburger Straße wurde eine
  Zeitungsdruckerei errichtet. Diese wurde aber nach Fertigstellung nicht gebraucht, da Dr. 
  Nickl sich mit dem "Neuen Tag" in der Innenstadt ansiedeln konnte. In Absprache mit der
  Diözese Regensburg wurde dieses Druckereigebäude gekauft und zu einer Kirche
  umgebaut. Auch die Schwestern und der Kindergarten fanden im Untergeschoß der
  neuen Kirche eine Bleibe.

  Frage: Und wie kam es zu der Namensgebung?

  Pfr. Breu:
 
Wir betrachteten die Namen der anderen Pfarreien: Die älteste Pfarrkirche war St.
  Michael, die ehemalige Simultankirche. Der Heilige Michael ist der Schutzpatron
  Deutschlands. Dann gab es noch die Nebenkirche mit dem Patron St. Sebastian, den
  ersten Martyrer. Im Jahr 1900 wurde St. Josef errichtet.

  Das Patrozinium erinnert an Josef, den Arbeiter. Arbeitende Menschen gab es viele: bei
  der Bahn, im Ausbesserungswerk, bei der Post, bei den Porzellan- und Glasfabriken.

  Die Kirche am Hammerweg wurde im Jahr 1937 eingeweiht. Wie wurde dem Hl. Konrad
  von Parzham geweiht. Dieser wurde ein paar Jahre vorher heiliggesprochen. 

  Die Kirche am Rehbühl war bereits im Bau. Im Jahr 1954 erhielt sie den Namen der  
  Heiligen der Nächstenliebe: St. Elisabeth.

  Dr. Käß (in Rom promovierter Theologe):
 
Ich bin
seit
1934 Pfarrer in Herz Jesu. Mein Vorschlag: Ich würde einen Heiligen
  vorschlagen, der eine innere Verbindung mit dem Herz-Jesu-Gedanken hat.

  Mein Vorschlag: Der Evangelist und Apostel Johannes. Dieser ist gleichsam der Herz-Jesu
  -Theologe: Der Kerngedanke seiner Botschaft lautet: "Gott ist die Liebe. Wer liebt bleibt in
  Gott."

  Johannes steht für Hoffnung, für Zukunft. Im Johannesbrief heißt es: "Gott ist Licht, in
  ihm ist keine Finsternis!" Johannes hat ca. 90 Jahre nach Christi Geburt das Evangelium,
  die nach ihm benannten Briefe und die Apokalypse geschrieben. Er war Seelsorger und
  Begleiter für seine Gemeinden in bedrängter Zeit. Es war Christenverfolgung. Der Kaiser 
  in Rom ließ sich als Herr-Gott verehren. Er schrieb die Apokalypse gegen den Kaiserkult
  von Rom. - Johannes muss auf der Insel Patmos in der Verbannung leben. - Die
  Fensterbilder in der St. Johannes-Kirche zeigen Szenen aus der Apokalypse des Johannes.

  Pfr. Breu:

  Ja, eine furchtbare Apokalypse lag schon hinter uns: der zweite Weltkrieg. Die Botschaft
  des Johannes weist in eine Zukunft in Frieden. Die Menschen sehnten sich danach. Diese
  Sehnsucht fand Ausdruck in der am 8. Dez. 1948 verabschiedeten Verfassung des
  Freistaates Bayern. Dort heißt es in der Präambel:

  "Angesichts des Trümmerfeldes, zu dem eine Staats- und Gesellschaftsordnung ohne
  Gott, ohne Gewissen und ohne Achtung vor der Würde des Menschen die Überlebenden
  des zweiten Weltkrieges geführt hat, in dem festen Entschlusse, den kommenden
  deutschen Geschlechtern die Segnungen des Friedens, der Menschlichkeit und des
  Rechtes dauernd zu sichern, gibt sich das Bayerische Volk, eingedenk seiner mehr als
  tausendjährigen Geschichte, nachstehende demokratische Verfassung."

  Damals stand die Kirche in erster Reihe, als es darum ging, in der Nachkriegszeit eine
  Gesellschaft aufzubauen, in der der Glaube den Menschen Richtung und Halt gibt und die
  Menschenwürde geachtet wird.

  Dr. Käß:

  Licht, Liebe, Wahrheit, Einheit, Leben - diese Leitworte des Johannes-Evangeliums sollten
  uns als Programm dienen. 

  Pfr. Breu:

  Genau das braucht unsere neue Gemeinde: Einheit, Zusammenhalt, Gemeinschaft

  Es gab viele Zuwanderer im Pfarrgebiet: Heimatvertriebene, Neuankömmlinge aus der
  umliegenden Region. Der Evangelist Johannes könnte mit seinen Leitworten ein guter
  Begleiter sein.

  Beenden wir nun das fiktive Gespräch der beiden. Vielleicht gibt es unter uns noch 
  Frauen und Männer, die von Anfängen erzählen könnten. Jedenfalls wäre anschließend 
  Gelegenheit, wenn wir dann den Johanniswein trinken.

  Was ich als Pfarrer im Jahr 2017 den beiden Vorgängern sagen möchte:

  Ich gratuliere Euch zum Standort der Kirche und zu diesem Kirchenbau. Ich könnte mir
  keinen besseren Standort vorstellen: mit soviel Grund um die Kirche. Dieses großartige
  Platzangebot ermöglichte später den Bau des Kindergartens, des Pfarrheims, die
  Einrichtung der Kinderkrippe im Untergeschoss der Kirche. Auf der Wiese befand sich
  sogar ein Sportplatz für den Fußballverein "Weiden Süd".

  Ich gratuliere zu der mutigen Entscheidung, das ursprüngliche gedachte
  Druckereigebäude zur Kirche umzubauen. Es hat die richtige Größe. Erfreulicher Weise
  wird sie manchmal zu klein, um die vielen Gottesdienstteilnehmer zu fassen, die gerne
  hierher kommen. Das Gotteshaus bietet eine angenehme Raumatmosphäre, man verliert
  sich nicht, sondern ist schön beieinander. Dies ist sicher auch der Grund, warum die 
  Gottesdienstbesucher gut mitsingen: man hört sich gegenseitig.

  Ihr habt damals vorausschauend gehandelt. 

  Zugleich danke ich allen Frauen und Männern, die hier seit der Errichtung der Pfarrei
  unter dem Patron des Hl. Johannes das pfarrliche Leben prägen.

  Wir danken Gott für diese Kirche und für die Pfarrgemeinde St. Johannes!

  (Predigt von Pfr. Gerhard Pausch bei der Feier des Pfarrpatroziniums am 26.12.2017;
  für die Homepage-Ausgabe überarbeitet und erweitert.)
 

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