01 A00 Kirche - 140

Predigt von Pfarrer Schubach
zum Krieg in der Ukraine 

Es ist Krieg in der Ukraine!

Wir sind erschüttert; wir sind traurig. Manche haben Angst. Wir fühlen mit mit allen, die derzeit leiden müssen.

Bei uns ist´s - Gott sei´s gedankt - Frieden. Einfach Frieden.

Aber so weit weg ist der Krieg nicht. Ich denke an meine – wie man sagt - hochaltrige Mutter. Sie ist durch diese Nachrichten vom Krieg richtig hin und hergeworfen: Es kommen hoch die Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg: Bombennächte im Keller, Schutzbunker, Angriffe, Zerstörungen, Leid, blanke Angst, Tote, Not … Es kommt wieder hoch all das, was sie als junges Mädchen erlebt und mitbekommen hat. Von einigen Dingen hat sie erzählt. Ich glaube, nicht alles. Ich versteh sie. Viele haben nie etwas erzählt. Viele haben freilich viel Schrecklicheres erlebt als meine Mutter.

Nur noch wenige unter uns haben Krieg erlebt, - Gott sei Dank – manche vielleicht doch: Da sind die ganz Alten. Es werden immer weniger … aber da sind auch die Soldaten und Soldatinnen und andere, die z.B. in Afghanistan und anderen Ländern ihren Dienst leisteten für den Frieden bisweilen bewundernswert unter dem Einsatz ihres Lebens. Wie komplex und desillusionierend das dann ist, haben wir alle gesehen.

Aber gar nicht weit von uns: Krieg. Viele Menschen sterben. Viele flüchten. Viele verstecken sich. Viele haben Angst. Not. Die Freiheit und Zukunft von so Vielen ist bedroht. Das Leid ist da.

Ich frage mich: Wie verblendet müssen Menschen sein, die sie sich zu solchen Taten hinreißen lassen? So etwas zu tun? Zu welchen Abgründen sind sie fähig? War das nicht nur früher so, als es den Potentaten dieser Welt nur um ihre persönliche Macht ging, ihren Ruhm und nicht das Glück der Menschen? Aber heute? Man könnte verzweifeln und den Mut verlieren. Das darf man nicht.

Sicher ist: Wir müssen den Kriegstreibern in den Arm greifen und von Herzen versuchen, das Unglück zu mindern. Wie? -----         

Wir jedenfalls wollen um Frieden beten. Einfach beten.

Bei uns katholischen Christen wird in der heiligen Messe im Anschluss an das Vaterunser der sogenannte Embolismus - Einschub - gebetet - vielleicht stammt er aus dem fünften Jahrhundert als die Hunnen und Vandalen plündernd unterwegs waren – welche Angst haben damals die Menschen gehabt? Er lautet:

Erlöse uns, Herr, allmächtiger Vater, von allem Bösen und gib Frieden in unseren Tagen. Komm uns zu Hilfe mit deinem Erbarmen und bewahre uns vor Verwirrung und Sünde, damit wir voll Zuversicht das Kommen unseres Erlösers Jesus Christus erwarten.

… gib Frieden in unseren Tagen … bewahre uns vor Verwirrung und Sünde … Verwirrung … da ist ein Durcheinanderwirbeln des Geistes gemeint. Durcheinandergewirbelt im Geiste müssen diese Menschen sein, die dieses Leid wollen, es bewirken und zulassen. Wie kann man nur?

Wie soll man darauf antworten?

Sicher nicht indem man sich selbst zum Hass und zur Hetze oder gar zur Rache aufstacheln lässt.

Angst hilft nicht weiter. Sondern Vernunft und verantwortliches Handeln. Und verantwortlich handeln kann ich nur, wenn ich eine Grundlage für mein Handeln habe. Für uns ist diese Grundlage unser christlich geprägtes Menschenbild.

Unser christliches Menschenbild schöpft aus dem Glauben daran, dass Gott den Menschen nach seinem Bild geschaffen hat und liebt – jeder Mensch eine tiefe Würde besitzt, die ihm niemand nehmen kann und die völlig davon unabhängig ist, wie und was jemand ist oder was er hat oder ihm fehlt. Jeder Mensch hat größte Würde gleich, wer er und was er und wie er ist oder woher er kommt. Kein Mensch ist mehr oder weniger wert als ein anderer.

Das nächste ist, dass Gott auf uns Menschen baut und uns einen Auftrag gegeben hat diese Welt zu hüten und zu nutzen nach seinem Willen. Freilich hat Gott uns Menschen das Geschenk der Freiheit gegeben. Darin liegt dann aber die Möglichkeit für das Schlechte, für die Sünde, für das Handeln gegen Gott selbst und gegen seine Menschenfreundlichkeit. Wir Christen wissen um die abgründigen Seiten von uns Menschen. Wir brauchen nur zum Kreuz blicken, und sehen, zu welchen Grausamkeiten Menschen in der Lage sind.

Die Antwort Gottes auf die Bosheit der Menschen ist das Erbarmen, das Verzeihen, das neues verklärtes Leben schenkt. Ein Leben, das sich durch nichts mehr unterkriegen lässt. Jesus Christus selbst ist der Kern der Frohen Botschaft, des Evangeliums. Er ist das Leben. Wir Menschen müssen Gott unendlich wertvoll sein, weil er alles für uns getan hat.

Und deshalb gelten für uns Christen die Seligpreisungen Jesu – sie sind das Herzensanliegen Jesu:

Heute ganz besonders: Selig, die, die Frieden stiften, denn ihrer ist das Himmelreich.

Die Seligpreisungen Jesu sind sicher keine Grundlage, einen Staat aufzubauen, aber sie müssen für alle, die Christus nachfolgen wollen Grundlage sein für ein christliches Leben, dafür, dass wir so schon in dieser Zeit mithelfen, dass in dieser Welt wenigstens etwas mehr die Menschenfreundlichkeit Gottes zum Aufleuchten kommt. Wenigstens etwas!

Liebe Brüder und Schwestern,

Wir trauern mit allen, die heute unter dem Hass, dem Schrecken oder der Bosheit der Menschen so zu leiden haben wie jetzt die Menschen in der Ukraine.

Aber der Schmerz und die Trauer rufen uns in die Verantwortung uns heute für den Frieden in dieser Welt einzusetzen, für den gerechten Ausgleich der Interessen und Bedürfnisse zwischen den Völkern und Nationen und auch innerhalb unseres Landes.

Verantwortung heißt, mitzutragen und auch Lasten und Unangenehmes für den Frieden in der Welt zu erdulden. Verantwortung ist nicht nur ein Gefühl – Verantwortung fordert.

Beten wir für den Frieden! Unbedingt!

Aber:
Öffnen wir auch unser Herz und unsere Hände - Aktuell denke ich dabei an die Flüchtlinge, die wahrscheinlich auch zu uns kommen werden, und denen wir in guter, in christlicher Weise zu begegnen haben. Ich denke auch an die Not, die da kommen wird. Hier helfen ist Friedensdienst.

Hinten ist ein Korb aufgestellt, in den ein Opfer für die Hilfe in der Ukraine gegeben werden kann. Wir werden es an Caritas-International weiterreichen.

Erlöse uns, Herr, allmächtiger Vater,
von allem Bösen
und gib Frieden in unseren Tagen.

 

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